Werdegänge und Übergänge: Kontinuität in unsicheren Zeiten schaffen
8. Januar 2026
In einem Umfeld des raschen Wandels sind berufliche Laufbahnen zunehmend von Übergängen geprägt. Dieser Artikel untersucht, wie sich diese Momente auf die Karrierewege auswirken.
Der Kontext der Unsicherheit und der technologischen Beschleunigung schwächt die seit langem stabilen Bezugspunkte für Organisationen und ihre Teams. Unternehmen müssen in ihrem unmittelbaren Umfeld vielfältigen Anforderungen gerecht werden und sich anpassungsfähig und proaktiv zeigen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und ihren Fortbestand zu sichern. Sie sind zu Systemen geworden, die unter ständigem Druck stehen, mobilisieren Kompetenzen nach Bedarf und sehen, wie sich interne Rollen schneller entwickeln als berufliche Identitäten. Dieser Druck wirkt sich auf die Mitarbeiter aus, die aufgefordert sind, mit der Dynamik Schritt zu halten, indem sie ihre Beschäftigungsfähigkeit fördern, mehr Verantwortung für ihre Karriere übernehmen und eine größere Toleranz gegenüber Diskontinuitäten entwickeln. Beschäftigungsfähig zu sein bedeutet heute nicht mehr nur, über die zu einem bestimmten Zeitpunkt gefragten Kompetenzen zu verfügen, sondern auch in der Lage zu sein, zu antizipieren, zu lernen und sich im Zuge der Veränderungen des Umfelds neu zu positionieren.
Konkret bedeuten diese Anforderungen berufliche Laufbahnen, die von zahlreichen, häufigen und oft unvorhersehbaren Übergängen geprägt sind. Diese Übergangsphasen können je nach den verfügbaren Ressourcen Stress und tiefgreifende Selbstzweifel hervorrufen. Jeder Übergang ist Teil einer Lebensgeschichte, die von vergangenen Erfahrungen und Zukunftsprognosen geprägt ist. Diese Übergänge können somit sowohl eine Chance zur Weiterentwicklung als auch einen Moment der Verletzlichkeit darstellen. Wenn die soziale Stellung unsicher wird, formiert sich die Identität neu und es wird notwendig, einen Sinn zu konstruieren, um das Geschehende zu verstehen und damit umzugehen.
Identität ist weder ein stabiler Kern noch ein persönliches Merkmal. Sie ist ein dynamisches System, das aus den Interpretationen einer Person über sich selbst und den verschiedenen Kontexten, in denen sie interagiert, entsteht. Das Engagement in Aktionen und Projekten trägt somit zur Regulierung der Identität bei, indem es Kompetenzen aktiviert und das Selbstwertgefühl stärkt. Die Geschichte, die eine Person über sich selbst erzählt, mobilisiert und nährt diese Identität. Sie ermöglicht es ihr, sich zu verorten und den Zwängen der verschiedenen Kontexte, in denen sie sich bewegt, zu begegnen, indem sie dem, was sie erlebt, einen Sinn gibt. Aus dieser Perspektive beschreiben die im Laufe des Lebens entstandenen Erzählungen nicht die Realität, sondern bilden Interpretations- und Verständnisrahmen für die Welt. Je nach Sichtweise können diese Konstruktionen Möglichkeiten einschränken oder aber eröffnen.
In einer von Unsicherheit und Umbrüchen geprägten Berufswelt trägt die Selbstdarstellung dazu bei, eine Form der Kontinuität zu bewahren. Sie ermöglicht es, Erfahrungen aus der Vergangenheit mit Zukunftsperspektiven zu verbinden und sich in einem sich wandelnden Umfeld zu orientieren. Diese Ausarbeitungsarbeit, verbunden mit dem Erwerb und der Entwicklung von Wissen und praktischen und sozialen Kompetenzen, um mit Unsicherheiten umzugehen, bildet ein unverzichtbares Instrumentarium zur Unterstützung einer nachhaltigen Handlungsfähigkeit. Die Herausforderung bei der Begleitung beruflicher Übergänge in diesem Kontext besteht darin, jedem Einzelnen zu ermöglichen, zu erkennen, worauf er sich noch stützen kann, um zu handeln und seinen Beitrag zu leisten.
Weitere Informationen:
Stéphane Bonzon
Psychologe, ISFB
„In einer von Unsicherheit und Umbrüchen geprägten Berufswelt trägt die Selbstdarstellung dazu bei, eine Form der Kontinuität zu bewahren. Sie ermöglicht es, Erfahrungen aus der Vergangenheit mit Zukunftsperspektiven zu verbinden und sich in einem sich wandelnden Umfeld zu orientieren.“
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